Wachsender Solarstromhandel wieder im Thurgau

Fairpower AG hat seinen Firmensitz vom zürcherischen Bülach nach Gachnang im Kanton Thurgau verlegt. Damit kehrt das Unternehmen an den Ort der Gründung zurück, wo es im Jahr 2012 als Green Energy Marktplace von Kantonsrat Marco Rüegg ins Leben gerufen wurde. Der Umsatz konnte auf einen zweistelligen Millionenbetrag entwickelt werden.

Marco Rüegg, Gründer und Geschäftsführer der Fairpower AG: «Mein Ziel vor zehn Jahren war es, Produzenten und Konsumenten von grüner Energie direkt zusammenzubringen». Heute betreibt sein Unternehmen einen Solarpowerpool, wo Solarstromrücklieferungen ins Stromnetz gebündelt vermarktet werden. Derzeit würden viele Produzenten direkt auf dem kurzfristigen Vortagesmarkt (Day-Ahead) verkaufen. Es seien Traumpreise von über 40 Rappen pro Kilowattstunde erzielbar.

Nicht weniger spannend sei aber der Verkauf an grosse Stromkonsumenten. Diese leiden derzeit unter hohen Strombezugskosten. Mit dem Bezug von Solarstrom aus dem Pool können sie die Kosten direkt senken und langfristig «bezahlbare» Preise sichern. «Jetzt haben wir es einfach, die Stromnachfrage mit Solarstrom zusammenzubringen», meint Rüegg. Für die Abwicklung arbeitet Fairpower mit renommierten Unternehmen der Strombranche zusammen

Um den Solarstrom rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen, konzipiert Fairpower innovative Lösungen zur Speicherung von Solarstrom im grossen Stil. Die Zeiten hätten sich geändert, der Nachtstrom sei gar nicht mehr günstiger als der Tagesstrom. «Wenn Sie heute Solarstrom für 8 Rappen pro Kilowattstunde produzieren und der Strompreis an der Börse bei 35 Rappen liegt, dann kann man noch lange speichern», rechnet Rüegg zudem vor.

Scheune mit Photovoltaikanlage Bild Text

Vor zehn Jahren wurde das Unternehmen als Genossenschaft «Green Energy Marketplace» gegründet und konnte noch im selben Jahr die Post und Renault Suisse als Kunden und den Biolandwirt Renzo Blumenthal als Solarstromproduzenten gewinnen. Mit der Online-Plattform zum Matching von Produzenten und Konsumenten von grünem Strom erhielt Rüegg im Jahr 2012 den Jungunternehmerpreis. Heute erzielt Fairpower mit nachhaltigem Stromhandel einen Umsatz von über zehn Millionen Franken.

Sorgen macht man sich über die zunehmenden Markteingriffe wie Strompreisdeckelung, Übergewinnabschöpfung oder staatliche Grundversorgung. Statt mehr Staat solle die Bundespolitik in der Energiewirtschaft Gesetze und Vorschriften abbauen und komplett liberalisieren. «Die Energiewende gelingt nur, wenn das Tempo in den nächsten Jahren massiv zunimmt und Strukturen aufgelöst werden», ist Rüegg überzeugt.

 

Fairpower AG
Marco Rüegg, +41 79 862 39 78, marco.rueegg@fairpower.ch

Wer mit Solarstrom Kohle macht

Unsere zusätzlichen Ausführungen zu einem Bericht im Beobachter vom Juli 2021

Unklare Rollen der Marktteilnehmer

Elektrizitätswerke haben eine lange Geschichte. Sie hatten früher einen klaren Auftrag: Die Einwohner und die Unternehmen in ihrem Versorgungsgebiet günstig und zuverlässig mit Strom zu versorgen. Heute ist es komplizierter. Mit dem Unbundling, also der Trennung von Stromnetz und Energie, wurden die Rollen neu verteilt. So sind traditionelle Elektrizitätswerke Netzbeteiber, aber auch Energielieferant. Der Netzbetreiber beliefert Haushalts- und Gewerbekunden in der Grundversorgung (kleiner 100 MWh Stromverbrauch pro Jahr). Der Energielieferant beliefert freie Kunden, die ihren Lieferanten frei wählen können. Vereinzelte Energielieferanten, resp. Energiehändler besitzen eigene Kraftwerke oder sind an solchen beteiligt. Die meisten aber kaufen Strom im Energiemarkt. Energielieferanten haben einen ganz anderen Fokus als Netzbetreiber.

Für Solarstrom wird zu wenig vergütet

Die Netzbetreiber haben die Plicht, den eingespeisten Solarstrom in ihrem Netz abzunehmen und zu vergüten. Dabei soll der Rücklieferpreis nicht mehr als 8% tiefer sein als der Strombezugspreis. Wenn ich also 10 Rappen pro Kilowattstunde für die Energie bezahlen würde, müsste mir der Netzbetreiber die Energie für 9.2 Rappen pro Kilowattstunde abkaufen. Dabei handelt es sich nur um die physikalische Energie, nicht um den ökologischen Mehrwert. Der ökologische Mehrwert wird als Herkunftsnachweis (HKN) erfasst und gehandelt. Der Markpreis für HKN aus Solarstrom liegt zwischen 1 und 4 Rappen pro Kilowattstunde. Schaut man sich auf der Seite www.pvtarif.ch um, so stellt merkt man rasch, wie gross die Unterschiede in der Bezahlung der Rücklieferungen von Solarstrom sind.

Solarstrom wird zu teuer verkauft

Ein reines Solartromprodukt dürfte nur um den Preis des HKN (plus einem Gewinn) teurer sein als der Standardstrom. Wie hoch der Gewinn auf dem HKN sein darf, da gibt es keine gesetzliche Grundlage. Wir erachten es als störend, wenn reiner Solarstrom mit einem Aufpreis von 7 Rp./kWh oder mehr verkauft wird und eine Marge von 100% und mehr kassiert wird. Noch schlimmer wird die Margenbetrachtung bei Wasserkraft. Da sind die Gewinne der Grundversorger oft noch viel grösser.

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Solarstrom Energie erneuerbar Photovoltaik